The daughter of power
Philip Selkirk’s documentary traces the biography of Benazir
Bhutto and depicts the permanent feud of the “daughter of power”
with the powerful establishment of her own country. In Selkirk’s
film, Benazir Bhutto describes her route to the head of her country,
she speaks about the humiliations and persecutions that she and her
family had to suffer under the rule of Zia ul-Haq as well as under
today’s military regime of General Pervez Musharraf and she
gives us a nightmarish impression about the many years of military
rule in Pakistan.
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Spezial zum Tode Benazir Bhuttos
1,5 Jahre dauerte es, bis Benazir Bhutto sich entschied, mich zu empfangen.
1,5 Jahre hatte ich mit diversen Assistenten verhandelt, hatte meine
Filmidee über die „Tochter der Macht“ vorgestellt,
Informationen über meine Person und meine bisherige Arbeit weitergegeben.
Als ich im März 2005 plötzlich Nachricht bekam, dass sie
bereit war, mich zu empfangen, hing dies offensichtlich damit zusammen,
dass ihr Mann Asif Ali Zardari nach achtjähriger Haft freigelassen
wurde und nunmehr ein neues Kapitel für sie persönlich,
für ihre Familie, die Partei und womöglich für das
Land beginnen würde. Es war wie ein frischer Wind der nun wehte
und sie war voller Kraft und Energie als ich sie wenig später,
im April 2005, bei ihr zuhause traf.
Zunächst schickte sie eine gute Freundin aus Schulzeiten,
Narmeen Hasan Khan, vor, um herauszufinden, wie ich Fragen stellte,
wie ich mich insgesamt verhielt. Wir lachten, schertzen, sprachen
aber auch über die dunklen und traurigen Kapitel im Leben von
"Bibi". Die Feuerprobe war bestanden, nachdem Benazir
Bhutto merkte, dass ich einen guten Draht zu ihrer Freundin fand,
kam sie plötzlich selbst ins Zimmer.
Wir „stritten“ darüber, ob die Klimaanlage anbleiben
sollte. Ich wollte ohne die Geräuschkulisse arbeiten und filmen.
Sie bestand erst auf die angenehme Temperatur. Ich setzte mich durch,
sie lächelte und los ging es. Sie gewährte mir zunächst
eine Stunde. „You won’t need more. You will see.“
Es wurden 4,5 Stunden. Wir verstanden uns bestens. Die Chemie stimmte.
Sie merkte, dass ich mich mit ca. 80-90 Fragen (!!) gut vorbereitet
hatte.
Ich wollte einfach nicht akzeptieren, dass es nur eine Stunde dauern
sollte. Ich respektierte sie natürlich und verhielt mich auch
so. Sie war eine Dame, wie man sie in politischen Kreisen heutzutage
nicht mehr oft antrifft. Man merkte ihr ihre Herkunft an –
wie sie sich verhielt, wie sie sich bewegte, wie sie sprach –
äußerst eloquent und in einem exzellenten Englisch. Sie
war ein Profi! Und sie hatte keine Problem damit, dass ich ihr durchaus
kritische Fragen stellte – über ihre Rolle als „Mutter
der Taliban“ über Korruption über ihre Macht“gelüste“.
Sie beantwortete alles freundlich – manchmal etwas aufgebracht
und erregt – doch nie unfreundlich. Wieder ein Beweis dafür,
dass man den Protagonisten solche Fragen stellen darf, sie aber
nicht den unteren „Chargen“ gegenüber äußern
sollte. Die haben nur Respekt und Angst und tun alles um es einer
Person wie Bhutto recht zu machen.
Und dies ist es auch, was ihre Rolle ausmachte.
Sie war immer die Tochter des Fürsten und Märtyrers Zulfikar
Ali Bhutto – die Tochter der Macht. Sie wurde vom Militärregime
unter Hausarrest und in Haft gehalten und zugleich von Millionen
von Menschen verehrt – ja vergöttert. Dies gab ihr das
Gefühl, unverwundbar zu sein – ja vielleicht sogar unfehlbar.
Sie war einst die Mutter der Taliban. Nun bekennen sich die Taliban,
sie „hingerichtet“ zu haben. Sie hat in all den Jahren
die Realität aus den Augen verloren.
Als wir uns unterhielten – 4,5 Stunden lang in Dubai und dann
wenige Wochen später in Oxford bei einem Abendessen, das von
dem Debattierclub der Oxford Union ausgerichtet worden war –
war ich von der hohen Intelligenz, von dem ausgeprägten Machtstreben
überzeugt. Sie verpackte dies mit ihrer Aura mit einem starken
Charisma doch man durchschaute schnell, dass sie nicht wirklich
ein Teil des pakistanischen Volkes war.
Sie war vom Volk zu sehr entfernt. Schon als Kind reiste sie mehr
mit ihrem Vater, dem angesehenen aber umstrittenen „Landesvater“,
als dass sie sich mit Kindern aus unteren Schichten umgab. Die waren
ganz weit weg. Im Interview betonte sie zwar immer wieder die soziale
Verantwortung, die sie und ihre Familie hatten, doch es gibt leider
nur wenige Anhaltspunkte, dass sie wirklich nach diesen Prinzipien
gelebt hat. Nicht weil sie ein schlechter Mensch war, sondern weil
das Land für das sie sich einsetzte oder zumindest die Führungsschicht
„schlecht“ sind.
Pakistan war ein Experiment, das erfolglos blieb. Ein Land, dass
Unabhängigkeit beanspruchte aber nicht damit umgehen konnte
und umgehen kann. Wer dieses Land führen will, gerät unweigerlich
in die Mühlen der Korruption, Illoyalität und Gewalt.
Ich glaube nicht, dass sich Bhutto jemals wirklich auf jemanden
hat verlassen können. Jeder sah in ihr eine Figur, die man
benutzen konnte, um sich zu bereichern, um sich in ein besseres
Licht zu stellen.
Die Menschen in ihrem Umfeld konnten sie nicht beschützen,
sie hätte sich selber mehr schützen sollen. Ich denke
auch an ihre Kinder, – zwei junge Töchter, die ich auch
habe interviewen dürfen und an den Sohn – die ihre Mutter
verloren, weil sie überzeugt war, dass sie der Mensch ist,
der dem Land zu Glück und einem neuen Start verhelfen könne.
Sie konnte es nicht, man hat ihr nicht die Chance gegeben. Sie hat
zweimal das Land regiert – zu kurz um wirklich etwas bewegen
zu können. Ein drittes Mal wäre es möglich gewesen,
doch dies haben ihre Gegner, insbesondere die Al-Qaida nicht zugelassen.
Ihr Vater, den sie liebte, und der Tod waren treibende Kräfte
in ihrem Leben. Sie wollte ihre Pflicht erfüllen und es nicht
zulassen, dass ihr Vater umsonst den Tod gefunden hat. Sie wollte
seinen Tod nicht rächen aber zumindest den Mord an ihm einen
wirklichen Sinn geben.
Sie war wie eine Figur aus der Griechischen Mythologie. Sie wollte
ihren Weg gehen auf die Gefahr hin, ihr Leben lassen zu müssen.
Vielleicht war es gar die Liebe zum Vater, der zu ihrem Tode führte.
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